Kreis übergibt Webstuhl an Technikmuseum Freudenberg

Landrat Paul Breuer: „Ein weniger bekanntes Kapital unserer Wirtschaftsgeschichte wird für die Nachwelt lebendig erhalten“
Landrat Paul Breuer und Armin Stöhr, Direktor des Berufskollegs AHS, haben jetzt Einrichtungsgegenstände der ehemaligen Siegener Webschule an das Technikmuseum in Freudenberg übergeben. Inge Zöller, Webermeisterin und Kunstpädagogin an der Jugendkunstschule Siegen-Wittgenstein hat den Webstuhl wieder voll funktionstüchtig restauriert. Sie will jungen Menschen die traditionelle Handwerkstechnik nahe bringen und das Werk der Hände lebendig erhalten. Am Sonntag, 4. Oktober, wird die Webwerkstatt im Technikmuseum von 10 bis 18 Uhr der Öffentlichkeit vorgestellt.
„Die Siegener Webschule kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Sie steht für ein Stück Siegerländer Industriegeschichte, dass weit weniger im öffentlichen Bewusstsein verankert ist, wie unsere Bergbau- und Metallverarbeitungstradition. Deshalb ist es gut, dass die Webschule nun im Technikmuseum eine neue Heimat gefunden hat, um auch dieses Stück unserer Geschichte für die Nachwelt lebendig zu erhalten“, sagt Landrat Paul Breuer.
In der Zeit von 1935 bis 2001 wurden in Siegen ca. 400 Weberinnen und Weber ausgebildet. 1935 wurde zunächst eine Webwerkstatt in der Hagener Straße gegründet, die 1938 in eine Lehrwerkstatt umgewandelt wurde. 1944 zerstörte der Luftangriff auf Siegen die Werkstatt völlig. Im Oberen Schloss erhielt sie 1945 neue Räume. 1965 zog die Webschule dann in die „Bildungsanstalt für Frauenberufe“ um. 1976 wurde die Webschule schließlich zur Berufsfachschule für Handweber an den allgemeingewerblichen hauswirtschaftlichen und sozialpädagogischen Schulen in Siegen, dem heutigen Berufskolleg AHS. „Da in unserer Region in diesem Bereich aber keine Arbeitsplätze mehr angeboten werden, wurde die Ausbildung in diesem traditionellen Handwerk im Jahr 2001 beendet, was ich sehr bedaure,“ sagt Schulleiter Armin Stöhr, „denn auch heute gibt es noch Interesse an Webausbildungen, allerdings mehr allerdings mehr als kreatives Element zur Ergänzung bereits vorhandener beruflicher Qualifikation und weniger als klassische Berufsausbildung.“
Bis vor wenigen Monaten stand die Ausrüstung der Webschule immer noch in einem Raum des Berufskollegs. Da die Räume jetzt aber anderweitig genutzt werden sollen, musste eine neue Heimat für die vorhandenen Webgeräte gefunden werden. „Das Technikmuseum in Freudenberg bot sich hier als idealer Partner an“, sagt Paul Breuer. Denn bereits seit einigen Jahren wird im Freudenberger Museum gewebt, gesponnen und mit Pflanzen gefärbt, erläutert Inge Zöller: „Die Geräte der Webschule ergänzen auf sinnvolle Weise das Vorhandene, so dass die Besucher des Museums umfassend über ein altes, schönes Handwerk mit starker traditioneller Ausprägung im Siegerland informiert werden.“
„Die Neugier bei Besuchern aller Altersklassen ist groß, wenn der Webstuhl klappert, wenn die Tritte und die Lade sich bewegen, wenn das Schiffchen hin und her saust und sich Kette und Schuss zu einem Gewebe verbinden“, stellt Inge Zöller immer wieder fest. Faszination gehe von dem Handwerk aus, das den ganzen Menschen fordere und in Bewegung hält. „Angefangen bei der Gewebeplanung durch Farbwahl, Zeichnung und Berechnung, über das Schären der Webkette am Schärbaum und das Abzopfen, bis zum Aufbäumen der Webkette auf den Webstuhl, dem Litzeneinzug, dem Blattstich, dem Anbinden, dem Verschnüren der Schäfte und letztlich dem Weben selbst, sind viele Tätigkeiten erforderlich. Lernen durch Tun ist hierbei das Wesentliche“, weiß die Webmeisterin. Das an junge Menschen weiterzugeben hat Inge Zöller sich zur Aufgaben gemacht. Zu Beginn der nächsten Museumssaison wird ein Einführungswochenende im Technikmuseum rund um das Weben stattfinden. Ein Färbewochenende ist ebenfalls wieder für nächstes Jahr geplant und das „Spinnen am Kamin“ findet am Sonntag, 15. November, statt.
(Interessierte können sich beim Technikmuseum, Hans-Jürgen Klappert, Tel.: 02734-8090, oder bei Inge Zöller, Tel.: 0271-84604 informieren.) |