Das Technikmuseum Freudenberg – eine Hommage an den regionalen Erfindergeist

Chronik der Freunde historischer Technik Freudenberg e.V. und des Technikmuseums

Erfindergeist – damit punktet die Region seit vielen Jahrhunderten. Weltbekannte Maschinenbauunternehmen waren und sind im Siegerland zu Hause. Eine Hommage an diese Pioniere ist das Technikmuseum Freudenberg – und doch viel mehr! Ein lebendiger Ort für alte Geschichte und junge Geschichten, ein außerschulischer Lernort, ein exzellenter Veranstaltungs- und Eventschauplatz und ein eindrucksvoller Standort südwestfälischer Industriekultur!

Made im Siegerland – die regionalen Pioniere
Siegerländer Unternehmer bauten schon früh Dampfmaschinen. Namen wie A. u. H. Oechelhäuser in Siegen (später Siegener Maschinen AG), Gebrüder Klein in Dahlbruch oder Gebrüder Weiss klingen noch nach. Später entstand aus den Betrieben Klein und Weiss das heute weltweit erfolgreich agierende Unternehmen Siemag. Bereits 1834 bauten die Gebrüder Klein Dampfmaschinen „Made im Siegerland“. Auch Adolf Waldrich baute in seiner 1842 gegründeten Reparaturschlosserei ab den 1860er Jahren Dampfmaschinen, verlegte sich aber schon bald auf den Bau großer Werkzeugmaschinen. Der Maschinenbau und seine Ingenieurskunst sind auch heute noch eines der Standbeine der Wirtschaftsregion Siegerland, mit einer langen Tradition. Soweit die Historie.

Es begann eigentlich ganz anders
In den 1980er Jahren erlebte die Nutzfahrzeug-Oldtimerszene einen großen Aufschwung. Vor allem in den ländlichen Gebieten bildeten sich immer mehr Oldtimer-Traktorenclubs. Lanz, Holder, Hanomag, Eicher, Deutz und Fendt…. klingende Namen und doch heute zum Teil nur noch Geschichte.

In Freudenberg entstand bereits in den 70er Jahren ein kleiner Kreis von „Schraubern“, wie diese Spezies liebevoll genannt wird. Nach Feierabend und am Wochenende trafen sich die Freunde der alten Schätzchen zunächst in einer baufälligen Fabrikhalle. Ein Zufall wollte es, dass dieses Gebäude – es wurde inzwischen abgebrochen – just gegenüber dem heutigen Museum lag. Im Laufe des Jahres 1990 wurde die Nutzung dieses Gebäudes immer schwieriger, denn Einsturz drohte. Was tun?

Probleme gibt es immer: Entscheidend ist die Idee
Die Schrauber baten die Stadt Freudenberg, ihnen eine 300 Meter entfernt stehende frühere Speditionshalle zur Unterbringung der Fahrzeuge zu überlassen. Als Gegenleistung boten sie der Stadt an, die Restaurierung der stadteigenen Dampfmaschine der früheren Leimfabrik Nöll zu übernehmen und die Maschine zu einem noch zu errichtenden Anbau an die Speditionshalle zu transportieren. Die Leimfabrik war 1972 abgerissen worden, nur die 100 Jahre alte Dampfmaschine war stehen geblieben und rostete seitdem in einem Schuppen vor sich hin. Die Schrauber hatten vor, in Verbindung mit der Dampfmaschine eine mechanische Werkstatt einzurichten und die Maschinen über eine Transmission durch die Dampfmaschine antreiben zu lassen – ein Konzept, das später in dem heutigen Museum verwirklicht wurde.

Noch ein Verein: Gründung im Jahr 1991
Schnell waren sich die Schrauber mit der Stadt einig, doch zur Anmietung der Halle bat die Verwaltung um Gründung eines Vereins. So kam es am 5.1.1991 zur Gründung der Freunde historischer Fahrzeuge Freudenberg e.V. 25 Mitglieder waren es bei der Gründung – heute sind es 240! Die Oldtimer-Freunde richteten die Speditionshalle her und präsentierten sich Anfang Juni 1991 in und um die Halle mit einer großen Oldtimerschau, die über 1.000 Besucher anlockte. in den folgenden Jahren konnten noch mehrere große Oldtimerfeste an der Halle und im freien Gelände gefeiert werden.

Nun wurden auch die Pläne für eine Erweiterung der Halle konkreter, doch alle Planung konnte 1994 zu den Akten gelegt werden, denn die Stadt Freudenberg verkaufte Gelände und Speditionshalle an ALDI. War alles umsonst?

Die Lösung – welch ein Glück!
Die Stadt Freudenberg folgte dem Vorschlag des Vereins, ihm zu gestatten, um die Dampfmaschine herum ein Museum zu bauen. Wie bereits erwähnt, war die Maschine an ihrem ursprünglichen Standort in der abgerissenen Leimfabrik stehen geblieben. Die Freunde historischer Fahrzeuge entwickelten schnell neue Pläne und stellten in den Mittelpunkt des Konzeptes den Aufbau einer alten Fachwerkhalle im Siegerländer Stil.

Fortan lebte es sich „fürstlich:“ Eine neue Halle für den Verein
Doch woher ein solches Objekt nehmen? Aufgrund der Zeitungs-Berichterstattung über das Bauvorhaben machte Herr Albert Holschbach, Inhaber der Containerbaufirma ALHO aus dem ca. 10 km entfernten Steeg bei Morsbach, den Vorschlag, dem Verein eine in seinem Besitz befindliche Fachwerkhalle zu schenken. Wir müssten sie nur selbst abbauen.

Das Gebäude war im Jahr 1952 von der Fürstlich-Hatzfeld´schen Verwaltung als Sägewerk gebaut worden. Sie hatte eine Grundfläche von 40x20 Metern und war 12 Meter hoch. Es war den Vorstandsmitgliedern schon etwas „mulmig“ zumute, als sie zum ersten Mal vor der großen Halle in Steeg standen! Die sollte von den Mitgliedern zerlegt und wieder aufgebaut werden?

Im Sommer 1997 war es soweit
41 Helfer packten an 6 Samstagen an und es war geschafft. Die Halle stand nicht mehr. 11.000 Dachpfannen hatten die Mitglieder an einem Tag vom Dach geholt und 2,5 km Dachlatten von Nägeln befreit. Die 1,8 Tonnen schweren Dachbinder blieben zusammen, sie wurden ein Jahr später von zwei Transporthubschraubern der Bundeswehr nach Freudenberg geflogen. Die Fachwerkwände wurden sorgfältig nummeriert und auseinandergenommen. Manch weitere Tücke war zu überwinden, vor allem beim Zusammenbau des Fachwerkes.

Etwa zur gleichen Zeit teilte ein Vereinsmitglied dem Vorstand mit, in Siegen lagerten die Balken eines von ihm vor 20 Jahren abgebrochenen Spritzenhauses. Das Haus war um das Jahr 1900 herum erbaut worden. Der heutige Besitzer sei bereit, uns das Balkenwerk zu verkaufen. Die Freunde historischer Fahrzeuge Freudenberg e.V. planten das Gebäude fest in ihr Konzept ein, doch stellten sie bei der Besichtigung der Balken mit großem Bedauern fest, dass ein Großteil des Holzes durch falsche Lagerung verfault war. Dennoch wurde das Gebäude nach den alten Plänen, aber mit neuen Balken wieder aufgebaut.

3 Jahre haben die Schrauber unermüdlich gearbeitet, denn der Aufbau der Gebäude erfolgte überwiegend in Eigenleistung. Über 20.000 Arbeitsstunden kamen zusammen! Im Juni 2002 konnte das Technikmuseum, verbunden mit einem großen Oldtimertreffen eröffnet werden.

Mit ihrer Arbeitskraft alleine konnten die Mitglieder ein solches Objekt nicht aufbauen. Es waren auch erhebliche finanzielle Mittel notwendig. Ohne die große Unterstützung der Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege wäre das Projekt nicht verwirklicht worden. Doch auch die Stadt Freudenberg, das Land NRW und der Landeskonservator haben ebenso finanziell geholfen, wie der Kreis Siegen-Wittgenstein, die Stadtsparkasse und die Volksbank Freudenberg. Erwähnt seien auch die vielen privaten Spender.

…und wir entwickeln uns weiter
Im Rahmen unseres Bestrebens, bei der Regionale 2013 Südwestfalen – einem Förderprogramm des Landes NRW – finanzielle Mittel zu erhalten, um das Museum inhaltlich und baulich erweitern und qualifizieren zu können, haben wir inzwischen eine Zeit des Umbruchs hinter uns.

Blicken wir auf die Zeit seit der Eröffnung des Museums im Jahre 2002 zurück, so standen anfangs das über 100 Jahre alte technische Denkmal „Alte Dampfmaschine“ mit der transmissionsgetriebenen historischen Maschinenwerkstatt ( siehe auch Kapitel: Dampfmaschine und Maschinenwerkstatt) und die Oldtimer-Nutzfahrzeuge und -Motorräder sowie einige landwirtschaftliche Geräte und Maschinen im Mittelpunkt. Im Laufe der Jahre kamen die alte Schmiede, die historischen Webstühle, die Sammlung der Oldtimer-Modelle und 40 Modell-Dampfmaschinen hinzu, um nur einige Neuerungen zu nennen. Die Zahl der Werkzeugmaschinen in der historischen Werkstatt stieg ständig und im Außenbereich zieht eine Modell-Dampfbahn ihre Runden. Es wurde eng im Museum – zu eng, um auf Dauer alle Exponate angemessen präsentieren zu können. Auch fehlte der Platz für Sonderausstellungen und die museumspädagogische Arbeit mit Kindern. Dank der Förderung des Landes NRW im Rahmen der Regionale 2013 Südwestfalen sowie der Unterstützung der Stadt Freudenberg, des Kreises Siegen-Wittgenstein, des großzügigen Engagements von Unternehmen und Privatpersonen und des Technikforums Freudenberg e. V. als Förderverein des Technikmuseums konnten wir im Jahr 2015 einen Erweiterungsbau eröffnen.

Seit Gründung der Freunde historischer Fahrzeuge Freudenberg e.V. im Jahr 1991  – die sich aufgrund des erweiterten Aufgabenspektrums inzwischen Freunde historischer Technik Freudenberg e.V. nennen – hat sich das Vereinsleben immer in einem Spannungsbogen zwischen Museum einerseits und „normalem“ Vereinsleben andererseits befunden. Es war nicht immer leicht, diesen Spannungsbogen in der Balance zu halten. Heute liegt der Schwerpunkt eindeutig auf den Aktivitäten im Technikmuseum mit vielen Aktionen, Festen, Vorführungen und Ausstellungen. Auch steht das „neue“ Technikmuseum mit seinen erweiterten räumlichen Möglichkeiten zahlreichen Unternehmen, Institutionen und kulturtreibenden Vereinen für interne und öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung.