Das das Verreisen mit dem Automobil auch in Zeiten von Dauerstaus und Anti-Autokampagnen durchaus noch Spaß machen kann bewiesen vom 16. bis 21. August 2019 die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der „Ford Model A – Sommerfernfahrt 2019“. Initiiert von der Ford Model A Interessengemeinschaft und dem Technikmuseum Freudenberg fanden sich bereits am Donnerstag, 15. August 2019 die Teilnehmer mit Ihren Fahrzeugen auf dem Gelände des Technikmuseums in Freudenberg ein. Aus den unterschiedlichsten Gegenden der Republik waren die Teilnehmer angereist. So zum Beispiel auch Matthias und Birgit Weiland aus Potsdam mit Ihrem 1931er Coupe. Robert Bröhl & Gaja Quittek aus Köln brachten einen ganz besonderen Ford mit. Das wohlmöglich einzige und besterhaltene Ford Model A deutscher Produktion. Denn die Kölner Fordwerke produzierten den beliebten Klassiker noch einige Monate, bevor der Modellwechsel das Model B hervorbrachte. Bei einem ersten gemeinsamen Abendessen in der Altstadt konnten sich die Teilnehmer nicht nur Kennenlernen. Auch die umfangreiche Fahrtroute wollte besprochen werden.   In vier Tagesetappen führte die ausschließlich über Land- und Kreisstraßen geplante Strecke über Bad Wildungen, Einbeck, Offen (bei Bergen) in das norddeutsche Seestädtchen Ratzeburg. Am Freitag, 16. August 2019 war es dann auch soweit. Punkt 9:30 Uhr gaben Alexander und Anneliese Fischbach, Initiatoren der Fernfahrt mit ihrem Ford Model A Coupe den Startschuss.  Die 6 historischen Fahrzeuge und 11 Personen starteten ins Abenteuer. Knapp 800 KM galt es zu bewältigen. Die erste Tagesetappe war mit 151 Kilometern auch die kürzeste. Als mittägliches Ziel hatten sich die Automobilisten die Studentenstadt Marburg ausgewählt. Nach dem obligatorischen Stadtbummel und einem Imbiss führte die Strecke ans Tagesziel, die beliebte Kurstadt Bad Wildungen. Nach dem Motto „Der frühe Vogel…“ war am Samstag, 17. August frühes Aufstehen Pflicht. Denn bereits um 9:00 Uhr mussten die Oldtimer startklar sein. Denn am Tagesziel in Einbeck wartete ein Besuch des großen Automobilmuseums PS Speicher. Mehr als ein kurzer „Stop“ in Bad Karlshafen war nicht drin. Da Einbeck natürlich nicht nur für sein beliebtes Automuseum sondern auch als Bierstadt bekannt ist, ließen es die Teilnehmer sich nicht nehmen in Einbecks Altstadt die eine und andere Bierprobe schmecken zu lassen. Am Sonntag, 18. August kündigte sich bereits am frühen Morgen Regen an. Heftige Regengüsse verlangten Mensch und Maschine einiges ab. Tagesziel 3 war der am Rande der Lüneburger Heide gelegene Ort Offen. Nur wenige Kilometer von Einbeck entfernt, in Alfeld an der Leine stand die Besichtigung eines Architektonischen Highlights auf dem Plan. Das Berühmte Fagus-Werk. 1919 entworfen von dem bekannten Bauhaus-Architekten Walter Gropius. In Wietze konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder etwas lernen: Denn auch in Deutschland wurde und wird Erdöl gefördert. Im deutschen Erdölmuseum wurde die Geschichte der deutschen Erdölförderung anschaulich dargestellt. Tagesziel war das gemütliche Landgasthaus Michaelishof wo der bereits vorausgefahrene Teilnehmer Wolfgang Flick mit seinem 1931er Pickup auf die Eintrudelnden wartete. Flick in seinem Berufsleben Seemann und Schiffsingenieur, brachte seinen Wagen aus Kanada mit, wo er berufsbedingt einige Jahre verbrachte. Mit viel Liebe zum Detail stattete er den dunkelblauen Wagen mit Original-Accessoires aus, der in seinem ersten Autoleben als Fischtransporter genutzt wurde. Und gleichwohl das Fahrzeug restauriert und penibel gereinigt ist, kann der Pickup an heißen Sommertagen seine Herkunft nicht verschweigen. Es riecht dann durchaus etwas fischig. Zur großen Freude der Fernfahrtteilnehmer transportierte der kleine Pickup jedoch eine andere Fracht, die noch vor dem Einchecken im Gasthof verkostet werden durften. Whisky! Für besonderes Ambiente am Abend sorgte nicht nur der original nostalgische Gastraum, sondern auch die vielfältigen und besonderen Gesprächsthemen jenseits von Motoröl und einstellbaren Ventilen. Besonders Teilnehmer Reiner, der in seinem Berufsleben als ausgebildeter  Opernsänger und Theaterleiter war, begeisterte die Gruppe mit seinen Ausführungen zur Welt der Musik. Die vierte und letzte Etappe sollte nun ins Seestädtchen Ratzeburg führen. Doch noch vor dem Start lag etwas Wehmut in der Luft. Denn für Matthias und Birgit Weiland mit Ihrem 31er Coupe rief berufsbedingt eine frühere Rückreise nach Potsdam. Gleichwohl das Oldtimer-Fahren im Vordergrund stand, ließen es sich die Teilnehmer natürlich nicht nehmen, die in voller Blüte stehende Lüneburger Heide auch unter Schusters Rappen zu erkunden. Und nach so üppiger Flora überraschte Teilnehmer Wilhelm Grethe die Gruppe, indem er aus seinem 1928er Phaeton – den er aus Argentinien mitgebracht hatte – für jeden einen kleinen Schluck  eisgekühlten Rosés servierte. Überhaupt stand der Genuss bei dieser Reise an erster Stelle. Genuss von Landschaft, Gastlichkeit, automobilem Vergnügen und der Kulinarik in familiärer und ungezwungener Atmosphäre. Über Lüneburg und Lauenburg erreichten die Oldtimer-Reisenden schlussendlich den Seehof in Ratzeburg. Traumhaft gelegen, bot der Seehof den würdigen Rahmen für das Abschiedsabendessen. Doch noch sollte diese Reise nicht ganz zu Ende sein. Für Dienstag, den 20. August hatten sich die Reisenden noch die Erkundung des Ratzeburger Umlandes vorgenommen. Und Besuch aus Hamburg stand ins Haus. Erwin Carstens und sein Freund Holger ließen es sich nicht nehmen, der Gruppe einen Besuch abzustatten. Stilecht mit dem schneeweißen Ford Model T Speester, Baujahr 1915. Carstens, selbst Besitzer eines Model A wäre gerne selbst die gesamte Tour mitgefahren. Doch ein Motorschaden an seinem Oldtimer verhinderte dieses Jahr eine Teilnehme. Gleichwohl die Fernfahrtteilnehmer auf moderne Navigationsgeräte nicht verzichten wollten, entpuppten sich Christoph und Irmgart Luyken aus Kierspe mit Ihrem 1930er Ford Fordor als hervorragende Navigatoren. Man stelle sich vor! Ganz analog. Mit Kartenmaterial aus Papier. Und so beschloss die Gruppe einstimmig, den Beiden die Planung einer Seenrundfahrt im und ums Ratzeburger Land zu überlassen. Doch auch die schönste Reise muss einmal zu ende gehen. Was den Teilnehmern dieser Oldtimer-Fernfahrt merklich schwer fiel. Und so versprachen sich alle, 2020 wieder dabei zu sein. Mal sehen wo es die Gruppe dann hin verschlägt!